Aktives Zuhören #4
Einfach erklärt + 5 Tipps

Aktives Zuhören ist eine Fähigkeit, die leider nur sehr wenige Menschen besitzen. Darüber hinaus wird die Wichtigkeit dieser Fähigkeit maßgeblich unterschätzt. Viele Menschen glauben, dass erfolgreiche Menschen besonders gut kommunizieren können. Augenscheinlich gefragte Eigenschaften sind dabei zum Beispiel Durchsetzungsvermögen, gute Argumentation, Überzeugungskraft und Rhetorik. Die Wissenschaft belegt jedoch, dass aktives Zuhören eine viel wichtigere Voraussetzung für eine gelungene Kommunikation und somit auch für den Erfolg im Berufsleben ist. Was man unter aktivem Zuhören versteht und warum diese Fähigkeit so bedeutsam ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Des Weiteren stellen wir Ihnen die vier verschiedenen Zuhörertypen vor und verraten Ihnen die Voraussetzungen für aktives Zuhören. Neben vielen wissenswerten Fakten über das Thema Hören und Zuhören erhalten Sie zudem einige Übungen und Tipps, die Sie sofort umsetzen können, um ein besserer Zuhörer zu werden.

Was versteht man unter aktivem Zuhören?

Aktives Zuhören meint, dem Gegenüber seine volle Aufmerksamkeit zu schenken und sich zu 100 % auf das zu fokussieren, was der andere sagt. Die meisten Menschen halten sich selbst für einen guten Zuhörer und würden bei Nachfrage bestätigen, dass sie dem anderen selbstverständlich zuhören. In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass wir in den meisten Fällen das Gesagte zwar wahrnehmen, in unseren Gedanken jedoch schon einen Schritt weiter sind. Anstatt dem anderen ganz genau zuzuhören, überlegen wir nämlich meistens schon, was wir selber als Nächstes sagen könnten.

Dieser Prozess geschieht meistens ganz unbewusst und läuft bei vielen Menschen gleich ab. Das bedeutet nicht, dass wir gar nicht mitbekommen, was der andere sagt, jedoch bleiben die Informationen hier meistens an der Oberfläche. Details werden dabei häufig überhört und es kann nicht entschlüsselt werden, was zwischen den Zeilen gesagt wird. Beim aktiven Zuhören lassen wir uns dagegen ganz auf das Gegenüber ein und riskieren damit sogar Schweigeminuten, da wir uns nicht überlegen, wie wir reagieren, während der andere noch spricht. Stattdessen liegt der Fokus einzig und allein bei dem Anderen.

Die vier Zuhörer-Typen

Studien haben herausgefunden, dass es auf wissenschaftlicher Ebene vier verschiedene Zuhörertypen gibt. Welche das sind, lesen Sie im Folgenden:

Der Weg-Hörer

Was man unter einem Weg-Hörer versteht, lässt sich schon aus dem Wort ableiten. Der Weg-Hörer hört eben weg, wenn er mit anderen Menschen spricht. Dabei handelt es sich jedoch häufig nicht um eine bewusste Absicht, sondern um einen bestimmten Menschen-Typ. Solchen Menschen fällt es in der Regel schwer, sich auf ein Gespräch einzulassen und sie sind eher introvertiert.

Der selektive Zuhörer

Der selektive Zuhörer ist ebenfalls kein aktiver Zuhörer, da er nicht alles wahrnimmt, was der Gesprächspartner ihm mitteilt. Stattdessen wählt er aus dem Gesagten nur die Inhalte aus, die er hören möchte. Auch hierbei handelt es sich um ein eher unbewussten Prozess.

Der bewertende Zuhörer

Auch hierbei geht es um einen bestimmten Menschen-Typ, der eher darauf ausgerichtet ist, die besseren Argumente zu haben, als den anderen verstehen zu wollen. Er wandelt die Gesprächsinhalte gleich in eine Art Debatte um, die es zu gewinnen gilt. Authentisches Zuhören fällt dem bewertenden Zuhörer schwer.

Der aktive Zuhörer

Dieser Zuhörer-Typ entspricht dem Ideal, wie es im obigen Abschnitt beschrieben wurde. Er führt keine inneren Dialoge, was bedeutet, dass er das Gesagte weder bewertet, noch überlegt, was sein nächstes Argument sein könnte. Stattdessen lässt er sich voll auf das Gespräch ein und fokussiert sich ausschließlich auf das, was der andere ihm mitteilt.

Nun ist es glücklicherweise aber so, dass wir nicht nur einem dieser Zuhörertypen entsprechen. Vielmehr handelt es sich bei jedem Menschen um eine Mischung aus den verschiedenen Zuhörer-Typen. Welchem Typ wir am meisten entsprechen hängt dabei nicht nur von unserer Persönlichkeitsstruktur, sondern auch von äußeren Faktoren ab. So können wir bei unserem Chef beispielsweise ein ganz anderer Zuhörer-Typ sein, als bei unserem Partner oder unseren Kindern.

Fakten & Wissenswertes: Warum ist aktives Zuhören im Beruf wichtig?

Wer aktiv zuhört, der kann sich viel besser auf die Argumente seines Gegenübers einlassen und darauf dementsprechend reagieren. Wenn Sie jemanden überzeugen möchten, dann ist es enorm wichtig, dass Sie den Standpunkt des anderen genau kennen und idealerweise genau wissen, welche Bedürfnisse und Wünsche der andere hat. Dies können Sie nur wahrnehmen, wenn Sie aktiv zuhören.

Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass aktive Zuhörer mehr Erfolg im Beruf haben, als jene, die weniger aktiv zuhören können. Darüber hinaus bleiben Sie mit dieser Fähigkeit auf dem aktuellen Stand und beeindrucken mit Ihrem Wissen jeden Kollegen, Vorgesetzten oder Kunden. Im Alltag passiert es nämlich sehr häufig, dass wir in einem Gespräch weghören, weil uns das Gesagte nicht interessiert oder wir es für vollkommen unwichtig halten.

Das Problem dabei ist, dass wir dann jedoch häufig nicht mitbekommen, wenn das Gesprächsthema wechselt und eine wichtige Information darin enthalten ist. So kann es beispielsweise passieren, dass der Kollege Ihnen von seinem Wochenendausflug mit der Familie erzählt und Sie dabei weghören, da es Sie einfach nicht interessiert. Erwähnt der Kollege während seine Erzählung jedoch ganz nebenbei, dass das bevorstehende Meeting um eine Stunde vorverlegt wurde, so bekommen Sie auch diese Information nicht mit und verpassen im schlimmsten Fall das Meeting. Deswegen ist es wichtig, auch bei Themen, die für Sie weniger interessant oder relevant sind, zuzuhören.

Welche Voraussetzungen sind für aktives Zuhören notwendig?

Aktives Zuhören ist Übungssache. Zudem müssen Sie dafür zunächst einige Voraussetzungen mitbringen. Dazu gehören:

Aufmerksamkeit

Zuhören ist kein entspannter Prozess, sondern kann sehr anstrengend sein. Wenn Sie Ihr Gegenüber verstehen möchten, dann müssen Sie ihm seine volle Aufmerksamkeit schenken und verhindern, dass Ihre Gedanken abschweifen.

Interesse

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist das Interesse am Gegenüber, bzw. an dem, was der andere Ihnen erzählt. Es ist schwer, Interesse vorzutäuschen – das kann schnell nach hinten losgehen. Wenn Sie kein Interesse an dem Gespräch haben, dann wird es für Sie sehr schwierig sein, aktiv zuzuhören.

Authentizität

Wer in einem Gespräch nicht authentisch ist, der kann auch nicht aktiv zuhören. Spielen Sie Ihrem Gesprächspartner also keine Aufmerksamkeit vor, wenn Sie nicht echt ist. Seien Sie stattdessen authentisch und entwickeln Sie eine Neugier auf andere Menschen und deren Standpunkte.

Offenheit

Auch die Offenheit für die Meinungen, Argumente oder Standpunkte anderer Menschen ist eine wichtige Voraussetzung für ein aktives Zuhören. Überlegen Sie stattdessen bereits, wie Sie die Argumente ihres Gesprächspartners widerlegen könnten, dann sind Sie kein aktiver Zuhörer.

Empathie

Mit der Offenheit und dem Interesse am Gegenüber geht auch ein gewisses Maß an Empathie einher, ohne das aktives Zuhören nicht möglich ist. Versuchen Sie, sich in den anderen hineinzuversetzen, um seine Intentionen und Emotionen verstehen zu können.

5 Tipps für aktives Zuhören

Wenn Sie die oben genannten Voraussetzungen erfüllen, dann wird es Ihnen wesentlich leichter fallen, ein aktiver Zuhörer zu werden. Im Folgenden finden Sie weitere 5 Tipps, wie Sie diese Fähigkeiten verbessern können.

Wenn Sie diese Tipps kontinuierlich umsetzen, dann werden Sie schon sehr bald ein besserer Zuhörer werden. Setzen Sie sich dabei jedoch nicht unter Druck und versuchen Sie nicht, alles auf einmal umzusetzen. Aktives Zuhören ist keine Veränderung, die von heute auf morgen möglich ist. Es handelt sich dabei um reine Übungssache – je mehr Sie üben, desto besser werden Sie.

1. Halten Sie Blickkontakt

Blickkontakt sorgt zum einen dafür, dass Ihre Gedanken seltener abschweifen und demonstriert dem Gegenüber zugleich ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.

2. Stellen Sie Fragen

Aktive Zuhörer besitzen die Eigenschaft, Rückfragen zu stellen, sofern sie etwas nicht richtig verstanden haben. Damit sichern Sie sozusagen Ihre eigenen Kenntnisse ab und hinterlassen gleichzeitig beim Gegenüber einen guten Eindruck. Denn wer Fragen stellt, der interessiert sich wirklich für den anderen. Bleiben Sie aber auch dabei authentisch.

3. Achten Sie auf Details

Wie zu Beginn des Artikels erläutert, bekommen die meisten Menschen zwar den groben Inhalt eines Gesprächs mit, können davon jedoch nichts im Detail wiedergeben. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit deswegen ganz besonders auf die kleinen Details des Gesprächs.

4. Feedback und Zustimmung ausdrücken

Gleichzeitig hilft es, wenn Sie dem anderen Ihre Zustimmung zeigen. Dies kann – wenn es passt – in Form von verbalem Feedback passieren oder in Form von nonverbalen Zeichen, wie beispielsweise ein zustimmendes Nicken oder ein Lächeln.

5. Die Inhalte zusammenfassen

Versuchen Sie – sofern sich die Situation anbietet – das gesagte des Gegenübers zusammenzufassen. Beginnen Sie beispielsweise mit: „Ich habe verstanden, dass du …, richtig?“. Auch damit sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Gesprächspartner wertgeschätzt fühlt und dass Sie selbst keine wichtigen Details verpasst haben.

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