Innerer Kritiker #3
So überwinden Sie ihn

Sind Sie häufig selbst Ihr schärfster Kritiker? Auch wenn Sie noch so viel Zuspruch aus Ihrem Umfeld erhalten, ist da diese Stimme in Ihrem Kopf, die sagt “Das kriegst Du niemals hin.“? Nun, wir alle haben diese innere Stimme, die notorisch an uns herumkritisiert. Und seien Sie sich einer Sache sicher: Auch der vermeintlich vor Selbstbewusstsein strotzende Kollege, der scheinbar mühelos durchs Leben schreitet, kennt diese Stimme im Kopf. Die gute Nachricht ist: Sie können Ihren inneren Kritiker besiegen.

Innerer Kritiker – ein eingebauter Miesepeter

Diesen “eingebauten Miesepeter” hat jeder von uns selbst erschaffen. Unbewusst zwar, aber er oder sie ist ganz sicher hausgemacht. Niemand würde Sätze wie “Du bist einfach zu blöd dazu.” Einem guten Freund, Familienmitglied oder gar einer Mitarbeiterin entgegenschleudern. Bei uns selbst ist oftmals aber kein Platz für diese Sensitivität.

Nun sollten wir, getreu dem Motto “Kenne deinen Feind” ergründen, was diesen inneren Kritiker füttert, für den man nie gut genug sein kann.

Der Ursprung des inneren Kritikers

Die Erkenntnis, dass sich mehr Menschen mit destruktiven Gedanken herumschlagen, als man denkt, ist tatsächlich bereits der erste Schritt, um den inneren Kritiker mundtot zu machen. Denn die Perspektive, dass andere sich nie mit Selbstzweifeln konfrontiert sehen und nur man selbst unfähig sei, ist ein wichtiger Teil des Problems. Es ist dieser Vergleich mit anderen, die scheinbar keinen inneren Kritiker haben, der die übersteigerte Selbstkritik forciert. Diese Fehleinschätzung findet sich in einer besonderen Form auch in den Fremdzuschreibungen der Geschlechter untereinander.

Einige Frauen glauben, dass die allermeisten Männer keinen besonders lauten inneren Kritiker haben. Schließlich scheinen auffällig viele männliche Exemplare mit einem mehr als gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet zu sein. Weit gefehlt, liebe Damen. Das gilt allerdings auch im umgekehrten Fall. Viele Männer nehmen fälschlicherweise vor allem bei Frauen, die sie als attraktiv empfinden, an, dass diese keinerlei Selbstzweifel kennen.

Eingebauter Demotivator

Der innere Kritiker, dieser eingebaute Demotivator, ist ein Teil unserer Persönlichkeit. Und der Ursprung für dieses überkritische Selbst liegt meist in der Kindheit. Jedes Kind kennt Selbstzweifel. In den allermeisten Fällen sind diese aber unproblematisch und sogar wichtig für die emotionale Entwicklung. Wenn Sie ein Kind im Kindergartenalter haben oder selbst noch so jung sind, dass Sie sich an die eigene Kindergartenzeit erinnern, wissen Sie, dass sich Kinder andauernd vergleichen. Beinahe jede spielerische Auseinandersetzung dreht sich um die Spiegelung und das Vergleichen von Verhaltensweisen. Und dann sind da auch noch diese unerreichbar schlauen Erwachsenen.

In der frühen Kindheit wird der Grundstein dafür gelegt, wie ausgeprägt die kritische innere Stimme beim Einzelnen ist und wie viel Resilienz jemand entwickelt. Da es hier aber um die Bekämpfung des inneren Kritikers im Erwachsenenalter gehen soll, kommen wir nun zu den Strategien für den Umgang mit diesem.

Der innere Kritker – Bekämpfen, ja. Wegsperren, nein

Destruktive Gedanken können auf Dauer krank machen. Verständlich, dass man den inneren Kritiker daher gerne einfach stummschalten möchte, um wieder Selbstvertrauen entwickeln zu können. Aber das ist keine gute Idee.

Hier kommen wir wieder zu unserem kindlichen Ich. Stellen Sie sich die kritische Stimme als ein Kind vor, das panisch ist aus Angst zu versagen. Es fürchtet sich davor, abgewertet zu werden und sucht nach Anerkennung. Wie würden Sie darauf reagieren?

Überträgt man dieses Beispiel auf den Umgang mit dem inneren Kritiker im Erwachsenenalter, heißt das, dass wir ihn zwar ernst nehmen, aber eben mit erwachsenen Antworten begegnen sollten. In welchen Situationen meldet er sich zu Wort? Wie denkt mein erwachsenes Ich darüber, was diese kritische innere Stimme sagt? Welche Emotion triggert den inneren Nörgler? Das sind Fragen, die helfen, die emotionale Ebene zu verlassen und sich rational mit den Selbstzweifeln auseinanderzusetzen.

Die eindimensionale Schlechtmacherei und pure Negativität kennzeichnen die “Aussagen” des inneren Kritikers. Gut oder böse, schwarz oder weiß – das ist auch die Sichtweise eines kleinen Kindes. Es gilt also, das “Ich tauge zu gar nichts” von einem berechtigten Zweifel wie “Das gehört nicht zu meinen Stärken” zu trennen.

Wie geht man mit Kollegen und Mitarbeitern um, die einen großen inneren Kritiker haben?

Je mehr Sie sich mit dem eigenen inneren Kritiker auseinandersetzten, umso häufiger werden sie ihn auch in ihren Mitmenschen erkennen. Im Kollegenkreis beispielsweise. Noch relevanter wird der Umgang mit Menschen und deren innerem Kritiker, wenn Sie die Führungskraft sind. Menschen in Führungspositionen begegnen den zweifelnden Mitarbeitern häufig auf rein argumentative Weise.

Soll zum Beispiel ein Mitarbeiter vor dem ganzen Team einen Vortrag halten und begegnet der Situation mit “Das kann ich nicht”, wird die Führungskraft in vielen Fällen rein argumentativ antworten “Dein letzter Pitch war doch super”.

Good Intentions – Bad Results.

Denn wenn ein Mitarbeiter an sich zweifelt und sich selbst kleinmacht, ist er in der Situation kaum für Argumente zugänglich. Mit dem Hinweis darauf, dass es doch beim letzten Mal kein Problem gab, kann der innere Kritiker des Mitarbeiters sogar noch gefüttert werden. Denn er fragt sich wahrscheinlich “Wenn ich es zuvor doch geschafft habe, warum bin ich dann jetzt so ein Versager?” Ein einfaches “Tschakka, Du schaffst es” ist hier jedenfalls nicht zielführend. Stattdessen können Sie als Führungskraft durch konkretes Nachfragen auf den Mitarbeiter einwirken: Wie zufrieden warst Du mit deinem letzten Pitch? Was möchtest Du konkret verbessern? So wandelt sich der Fokus auf den diffusen Zweifel zu einer Perspektive für Veränderung und Verbesserung.

3 weitere Tipps, um den inneren Kritiker zu überwinden

1. Erinnern Sie sich an den Ursprung des Kritikers 

Der innere Kritiker ist eine Stimme in Ihrem Kopf, so viel wissen Sie. Das tolle ist: Sie sind dieser inneren Stimme nicht ausgeliefert. 

Wissen Sie, warum?

Der innerer Kritiker wird von Außen genährt. Lernen Sie, es nicht jedem Recht machen zu müssen. Denn der innere Kritiker beurteilt Sie nach fremden Maßstäben. Wenn Sie sich davon distanzieren, verstummt auch der Kritiker in Ihrem Kopf. Versprochen.

2. Ändern Sie die Formulierungen des inneren Kritikers

Es bringt Sie nicht weiter, wenn Sie sich Sätze sagen, wie „Ich kann das nicht!“. Meinen Sie nicht, dass das sehr endgültig klingt?

Sie werden sich mit solchen Sätzen schnell niedergeschlagen fühlen. Fragen Sie sich einmal, was das Ganze mit der Realität zu tun hat. Lassen Sie bei Ihren Formulierungen lieber Platz für Interpretation.

Sie können Ihre Gedanken beeinflussen und mit etwas Distanz gelingt Ihnen das schneller als Sie glauben. Ändern Sie die Formulierungen Ihres inneren Kritikers. Gehen Sie wohlwollend mit sich um. Sätze könnten sein: „Ich habe das Gefühl, dass ich das im Moment nicht kann.“  Oder „Ich denke, das kann ich gerade nicht.“ Durch die geschaffene Distanz zwischen Ihnen und dem inneren Kritiker haben Sie nun die Möglichkeit ganz neue Fragen zu stellen: Stimmt mein Gefühl oder Gedanke wirklich? Das wäre Ihnen zuvor nicht gelungen. Mit endgültigen Aussagen limitieren Sie sich langfristig nur selbst – haken Sie also lieber nach und üben Sie diese Reflexion.

3. Widerlegen Sie den inneren Kritiker

Hinterfragen Sie den inneren Kritiker. Warum sollten Sie etwas nicht schaffen? Gibt es Belege dafür? Sind Sie bei einem ähnlichen Projekt schon mal gescheitert? 

Durch das Hinterfragen des inneren Kritikers schaffen Sie Gewissheit. Es gibt keinen Grund, dass Sie sich selbst schlecht machen. Wenn Sie diese Übung beherzigen, werden Sie bald feststellen, dass Sie noch viel mehr schaffen, als Ihnen der innere Kritiker jemals zugetraut hat.

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