Perfektion ablegen #29
9 Tipps, die Ihnen helfen

Perfektionismus ist etwas, das uns im Alltag nicht nur unglaublich viel Zeit, sondern auch sehr viel Lebensqualität rauben kann. Der Wunsch, keine Fehler zu machen und es allen recht zu machen, ist dabei zum Scheitern verurteilt. Welche Ursachen Perfektionismus haben kann, welche Probleme damit einhergehen und wie Sie Perfektionismus überwinden können, verrät Ihnen der folgende Artikel.

Perfektionismus Ursachen: Gute & schlechte Perfektion

Perfektionismus ist nicht gleich Perfektionismus. Wissenschaftler unterscheiden dabei zwischen guter und schlechter Perfektion, welche sich nicht nur dementsprechend auf das Ergebnis einer Handlung, sondern auch auf die Lebensqualität auswirkt. So ist es beispielsweise nicht verwerflich, einen hohen Anspruch an sich selbst und seine Leistung zu stellen. Wir erklären Ihnen den Unterschied zwischen guter und schlechter Perfektion:

Schlechte Perfektion:

Damit ist im Grunde genommen eine Art krankhafter Perfektionismus gemeint, welcher dem unerfüllten Wunsch, alles ausnahmslos „perfekt“ machen zu wollen entspricht. Die Betroffenen sehnen sich dabei häufig nach Anerkennung und haben einen äußerst sensiblen Kern. Der Antrieb erfolgt dabei jedoch meistens nicht daraus, das bestmögliche aus allem herauszuholen, sondern um jeden Preis Fehler zu vermeiden. Wer aus diesen Gründen handelt, der versucht also nicht aus Freude heraus, tolle Ergebnisse zu produzieren, sondern vielmehr aus Angst vor dem Scheitern, alle möglichen Fehlschläge zu vermeiden.

Gute Perfektion:

„Gute“ Perfektionisten versuchen hingegen – wie oben bereits gegenteilig beschrieben – „das Beste“ aus allem herauszuholen. Sie setzen sich selbst hohe Maßstäbe und versuchen, sich kontinuierlich zu verbessern und weiterzuentwickeln. Die meisten Menschen, welche diese Einstellung haben, sind in ihrem Leben sehr erfolgreich. Ferner machen sie statistisch gesehen wesentlich mehr Fehler als andere – einfach, weil sie „mehr“ machen. Sie probieren neue Dinge aus, trauen sich neue Aufgaben zu und lernen aus ihren Fehlern, womit sie kontinuierlich besser werden.

Diese Probleme kennen nur Perfektionisten

Es gibt einige Probleme, die nur Perfektionisten haben. Neben dem Wunsch, Fehler zu vermeiden, kann Perfektion auch noch andere unförderliche Ursachen haben. Dazu zählt beispielsweise die Prokrastination, womit gemeint ist, dass jemand eine lästige Aufgabe nicht angeht, da er sich an einer vorherigen Aufgabe aufhält und mit dieser einfach nicht fertig wird. Typische Merkmale und Denkweisen von Perfektionisten sind:

Perfektionisten arbeiten häufig mehr als andere, halten sich selber aber für „faul“

Obwohl Perfektionisten häufig mehr arbeiten als andere, empfinden sie sich selbst als faul. Sie haben immer etwas zu tun und machen selten eine Pause oder gar Urlaub. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass auch die Ergebnisse besser sind. Dies liegt daran, dass sich Perfektionisten häufig an Details aufhalten, welche das Ergebnis im Wesentlichen nicht großartig verändern.

Perfektionisten gehen häufig über ihre Belastungsgrenzen hinaus

Um ihre Projekte abzuschließen oder ein Ergebnis so lange zu bearbeiten, bis alle Details zu 100 % der Wunschvorstellung entsprechen, machen Perfektionisten häufig Überstunden. Sie scheuen auch nicht davor zurück, andere Bedürfnisse zurückzustellen und sind sogar dazu bereit, auf freie Tage zu verzichten oder gar weniger zu schlafen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Perfektionisten sind wenig kritikfähig

Da Perfektionisten einen hohen Anspruch an sich selbst stellen und ihre Arbeit erst dann abgeben, wenn sie davon überzeugt sind, dass diese „perfekt“, also vollkommen fehlerfrei ist, rechnen sie auch nicht mit der Kritik anderer. Sehen andere das Ergebnis also nicht als perfekt an, so können Perfektionisten dies in der Regel schlecht annehmen. Denn schließlich haben sie alles dafür getan, jeden möglichen Fehler zu vermeiden. Darüber hinaus nehmen sie die Kritik häufig persönlich und versuchen im Anschluss umso mehr, diese zu vermeiden. Sie fühlen sich dann in ihrem akribischen Streben bestätigt und werden noch perfektionistischer.

Teamarbeit fällt Perfektionisten schwer:

Nicht zuletzt haben Perfektionisten häufig Probleme damit, sich in Teams einzufügen. Dies liegt zum einen daran, dass sie an ihre Teamkollegen die gleichen Anforderungen stellen wie an sich selbst. Zum anderen fällt es ihnen schwer, Aufgaben und Verantwortung abzugeben. Dies gilt vor allem dann, wenn die andere Person nicht ebenso detailverliebt an die Sache herangeht wie sie selbst – häufig möchten Perfektionisten deshalb auch am liebsten alles selbst erledigen und keine Aufgaben delegieren.

Perfektionismus Gefahren: Gefangen im Hamsterrad

Das Streben danach, alles möglichst perfekt zu machen, ist eine Eigenschaft, die viele Vorgesetzte bei ihren Mitarbeitern schätzen. Einen wirklichen Nutzen bietet diese Einstellung dem Unternehmen allerdings nicht. Diese Mitarbeiter versuchen dabei nicht nur ihrem Chef, sondern auch sich selbst etwas zu beweisen. Häufig geht dieser Wunsch jedoch mit einem niedrigen Selbstwertgefühl einher. Selbstbewusste Menschen wissen, dass es ganz normal ist, Fehler zu machen und gestehen sich diese ein. Wer das nicht kann, der landet schnell im sogenannten „Hamsterrad“. Das bedeutet, dass Menschen kontinuierlich versuchen, sich zu verbessern, was jedoch nicht die gewünschten Ergebnisse erbringt. Vielmehr wird die Arbeit zu einem Krampf, und zwar so lange, bis sich die ersten Symptome von Erschöpfung und Unmut zeigen.

Andersherum bedeutet dies jedoch auch nicht, dass es empfehlenswert ist, sich keine Mühe zu geben und nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen. In manchen Fällen ist ein extrem hohes Maß an Sorgfalt sogar unerlässlich, vor allem dann, wenn es dabei beispielsweise um die Sicherheit geht. So erwartet z.B. jeder, dass ein Flugzeug vor dem Start perfekt gewartet wird. Schließlich geht es dabei um Menschenleben. Perfektionistische Menschen legen ein solches Bestreben ist jedoch auch in zahlreiche andere Bereiche, in denen es absolut nicht notwendig ist. Ob beispielsweise die Gestaltung eines Flyers zu 95 % der Wunsch-Vorstellung entspricht oder einige Details noch perfektioniert werden könnten, bewirkt meistens keinen Unterschied im Ergebnis. Damit ist gemeint, dass vermutlich die gleiche Anzahl an Menschen auf die Angebote des Flyers reagieren werden – ganz gleich, ob ein kleines minimalistisches Detail nun die richtige Farbe hat oder ob beispielsweise die Schriftart noch schöner sein könnte.

9 Tipps gegen den schlechten Perfektionismus

Behalten Sie den Fokus

Achten Sie darauf, sich nicht in Details zu verlieren, sondern behalten Sie immer den Blick für das große Ganze. Dies sorgt dafür, dass Sie sich nicht verzetteln und stellt sicher, dass das Projekt oder die Aufgabe pünktlich fertig wird.

Fokussieren Sie sich auf Ihre Stärken

Ärgern Sie sich nicht darüber, wenn mal etwas nicht geklappt hat und verlieren Sie sich nicht in Selbstzweifel. Diese mindern nicht nur Ihre zukünftigen Ergebnisse, sondern auch Ihre Selbstsicherheit. Fokussieren Sie sich stattdessen lieber auf Ihre Stärken und bauen Sie diese weiter aus.

Bleiben Sie realistisch

Versuchen Sie nicht, das Unmögliche möglich zu machen, sondern setzen Sie lieber realistische Erwartungen an sich selbst. Häufig reichen bereits 80 % des Ideals vollkommen aus, um das Ziel zu erreichen. Mit dieser Einstellung schaffen Sie sogar mehr und werden produktiver.

Vergleichen Sie sich nicht mit anderen

Jeder hat andere Stärken und Schwächen, die sich in den unterschiedlichsten Gebieten zeigen. Vergleichen Sie sich deshalb allenfalls mit sich selbst, nicht aber mit anderen.

Akzeptieren Sie Fehler

Des Weiteren ist es unerlässlich, Fehler zu akzeptieren, um nicht in der Perfektionismus-Falle zu landen. Aus Fehlern lernen wir in der Regel mehr als aus Erfolgen, weshalb diese in Zukunft immer zu einer Verbesserung der eigenen Leistung führen. Seien Sie deshalb lieber dankbar dafür, wertvolle Erfahrungen gesammelt zu haben, welche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg von Nutzen sein werden.

Lernen Sie, Kritik anzunehmen

Neben den Fehlern an sich sollten Sie auch lernen, Kritik von anderen anzunehmen. So kann es zwar sein, dass Sie selbst Ihr Ergebnis als fehlerlos betrachten, da Sie Unmengen an Zeit in ein perfektionistisches Ergebnis investiert haben, andere aber dennoch Verbesserungsvorschläge haben. Auch diese sind nicht als Gefahr, sondern vielmehr als Chance zu verstehen. Da viele Aspekte zudem absolut subjektiv sind, schützt Perfektion niemals vor Kritik. Der Versuch, es allen recht machen zu wollen, ist deshalb von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Nehmen Sie Hilfe von anderen an

Wie oben bereits beschrieben, fällt es Perfektionisten meistens schwer, Aufgaben abzugehen oder die Hilfe von anderen anzunehmen. Gerade dies kann jedoch eine große Entlastung sein und letztendlich zu einem besseren Ergebnis führen. Darüber hinaus ist es vielmehr eine Stärke als eine Schwäche, den Mut zu haben, andere um Unterstützung zu bitten.

Verlieren Sie sich nicht in Details

Manche Probleme und Aufgaben verleiten dazu, sich in Details zu verlieren und alles zu „überanalysieren“. Das bedeutet nicht, einen weniger hohen Anspruch zu erheben oder sich einer guten Planung zu widersetzen. Versuchen Sie jedoch, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann es „genug“ ist.

Verkomplizieren Sie die Dinge nicht, sondern legen Sie einfach los

Auch wenn es leichter gesagt ist als getan: Lassen Sie los und machen Sie die Dinge nicht unnötig kompliziert. Wer es „einfach mal macht“, ohne vorher stundenlang darüber nachzudenken oder es perfekt zu planen, der hat am Ende des Tages meistens mehr erreicht.

Fazit

Perfektionismus hat bei vielen also nur wenig mit einem hohen Anspruch an sich selbst oder an das Leben im Allgemeinen zu tun. Vielmehr ist damit eine unförderliche Verhaltensweise gemeint, welche das eigene Leben und oft auch die Zusammenarbeit mit anderen unnötig schwer macht. Mit ein paar Tipps und Veränderungen im Alltag lässt sich diese Einstellung jedoch verändern.

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